Verstorben

Johanna Rost ist tot

31.08.2017 | Mit Johanna Rost starb im August das älteste Mitglied der IG Metall Leipzig. Bald 90 Jahre war sie Mitglied der Gewerkschaft. Ein Nachruf.

Johanna Rost wurde 2014 für 85 Jahre Gewerkschaftsmitgliedschaft geehrt. Foto: IG Metall

Es ist eine bewegte Zeit als Johanna Rost 1929 in den Deutschen Metallarbeiterverband eintritt, die Vorläuferorganisation der IG Metall: In Berlin ereignet sich der „Blutmai“, in dessen Verlauf die Polizei zahlreiche Demonstranten und Unbeteiligte tötet oder verletzt. Mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise verschärft sich die Massenarbeitslosigkeit, Straßenschlachten zwischen den Schlägern der SA und deren Gegnern häufen sich.

In Leipzig demonstriert ein Jahr davor die 17-jährige Johanna Keil zusammen mit 100 000 Arbeiterinnen und Arbeitern in Leipzig gegen den Bau eines schweren Panzerkreuzers. Die SPD, seit Juni 1928 an der Regierungskoalition beteiligt, hatte erst für den Bau gestimmt, auf Druck der Basis die Meinung revidiert und sich damit in eine Glaubwürdigkeitskrise manövriert. Johanna ist damals Mitglied der Sozialististischen Arbeiterjugend, einem der SPD nahestehenden Jugendverband.

Ihre Antikriegshaltung hat Johanna Keil, wie ihr Mädchenname war, im Elternhaus mitbekommen. Ihr Vater hatte die Gräuel des Ersten Weltkriegs in Russland erlebt. Von 1917 bis 1921 besucht Johanna die Volksschule in Plagwitz und konnte danach die weiterführende Schule in der Schleußiger Könneritzstraße besuchen - keine Selbstverständlichkeit für ein Arbeiterkind. Sie lernt Französisch und Englisch, besucht Frankreich knapp 15 Jahre nach Ende des einen und vor Beginn des nächsten Krieges.

Nach Ende der Schulzeit hat ihr Vater nicht die Mittel für eine weitere Ausbildung, doch Johanna hat Glück. Sie kann für weitere drei Jahre die Höhere Schule für Frauenberufe besuchen, die sie 1929 abschließt und ihre Arbeit in einer Metallgießerei als Buchhalterin aufnimmt. In der Zeit lernt sie auch ihren späteren Mann kennen, einen Beamtenanwärter in Markranstädt, der auch als Arbeitersportler aktiv ist.

Als die Nazis an die Macht kommen, verlieren Johannas Schwiegervater und ihr Mann Alfred Rost, beide Sozialdemokraten, ihre Jobs. Alfred ist vier Jahre arbeitslos, findet dann eine neue Stelle. 1939 und 1941 kommen die beiden Söhne der Rosts zur Welt, doch dann muss Alfred in den Krieg und stirbt kurz vor dessen Ende. Johanna Rost bleibt alleine mit den Kindern.

Nach Kriegsende arbeitet Johanna Rost im VEB Kombinat GISAG (Gießereianlagen und Gußerzeugnisse) Leipzig; zunächst in der Abrechnung, dann im Vertrieb.

Johanna Rost war bis ins hohe Alter politisch aktiv, hatte ein Patenkind in Kenia, war Mitglied im Leipziger NaturfreundeHaus Grethen. Zuletzt gratulierte ihr Hein Volkmer von der IG Metall Leipzig am 17. Oktober 2016 im Seniorenheim in Leipzig-Grünau zu ihrem 105. Geburtstag. 

Fast 90 Jahre hielt sie ihrer Gewerkschaft die Treue. Im August ist Johanna Rost, das älteste Mitglied der IG Metall Leipzig, nach einem langen und bewegten Leben gestorben. Der Familie spricht die IG Metall Leipzig ihr Beileid aus. jme

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