Tarifrunde 2018

Arbeitszeit: "Historisch härteste Auseinandersetzungen"

26.08.2017 | Rund 50 Vertrauensfrauen und Vertrauensmänner kamen in Leipzig zusammen, um über die kommende Tarifrunde zu diskutieren. Dass die Arbeitszeit ein Thema wird, ist ausgemacht. Wie genau die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung in Tarifforderungen umgesetzt werden, ist derzeit Gegenstand der Debatte.

Der Erste Bevollmächtige, Bernd Kruppa, beschreibt, wie vielschichtig ein Katalog mit arbeitszeitspezifischen Forderungen an die Arbeitgeberseite ist. Foto: Jörg Meyer

Vertrauensleute diskutieren die Beschäftigtenbefragung der IG Metall und bereiten sich auf die Tarifrunde 2018 vor.

Für 4220 Beschäftigte haben die Tarifabschlüsse der IG Metall Leipzig in den letzten Jahren eine Verkürzung der Arbeitszeit - meist von 40 auf 38 Stunden - gebracht. „Es geht also“, sagte der Erster Bevollmächtigte Bernd Kruppa am Samstag. „Die Kolleginnen und Kollegen in 18 Betrieben von Gießereien über das Kfz-Handwerk bis hin zu zahlreichen industriellen Dienstleistern haben einen Tarifvertrag erstritten. Es geht bei der Arbeitszeitverkürzung nicht nur um die Solidarität von Ost und West.“ - 27 Jahre nach der Einheit arbeiten die Beschäftigten im Osten noch immer länger. „Es geht hier um konkrete Menschen mit konkreten Bedürfnissen, die ihre Forderungen auch durchsetzen“, sagte Kruppa weiter. “Das ist ein Pfund mit dem die IG Metall in kommenden Auseinandersetzungen wuchern kann.“

In der Leipziger Innenstadt trafen sich die Vertrauensleute, um über die Strategie für die Tarifrunde 2018 in der Metall- und Elektroindustrie zu sprechen. Neben dem Entgelt wird es um die Arbeitszeit gehen. Der Manteltarifvertrag in Sachsen ist zum 30. Juni 2018 kündbar.

Die Ergebnisse der bundesweiten Beschäftigtenbefragung der IG Metall vom Frühjahr sprechen eine deutliche Sprache: 58 Prozent der Befragten in Leipzig sprechen sich für eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit aus - auch wenn das einen Verzicht auf Entgelterhöhungen bedeutet. Die Wunscharbeitszeit liegt bei 60 Prozent der  Leipziger Befragten bei 35-Stunden, bundesweit sind es  48 Prozent. Die reale Arbeitszeit liegt jedoch häufig darüber und sogar über der vertraglich vereinbarten. An der Beschäftigtenbefragung hatten sich bundesweit 680 000 Kolleginnen und Kollegen beteiligt - davon 38 Prozent Nicht-Mitglieder. Allein in der Automobilregion Chemnitz, Leipzig, Zwickau nahmen über 20 000 Menschen an der Befragung teil. Die IG Metall hat damit einen klaren Arbeitsauftrag. Nun geht es daran, diesen umzusetzen und ein tarifpolitisches Szenario zu entwickeln, in dem das auch funktionieren kann.

Die Arbeitszeitverkürzung ist eines von mehreren Themen, die den Beschäftigten unter den Nägeln brennen. Ein weiteres ist das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit. Und weil die in Berlin regierende Große Koalition das gesetzliche Rückkehrrecht zwar im Koalitionsvertrag stehen hat, es aber nicht umgesetzt hat, wird es nun Tarifforderung der IG Metall. Hinter dieser Idee steckt auch, dass Beschäftigte entscheiden können sollen, ob sie in Phasen ihres Lebens - etwa für Pflege oder Erziehung - weniger arbeiten wollen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. „Ich denke, viel mehr Menschen würden eine Zeit lang in Teilzeit arbeiten, tun das aber nicht, weil sie nicht wissen, ob es ein Zurück gibt“, so Kruppa.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen noch andere konkrete Forderungen auf: Für besonders belastete oder ältere SchichtarbeiterInnen soll es eigene Regelungen geben. Die Wochenendarbeit soll eingedämmt werden. Verschiedene Modelle der temporären Arbeitszeitverkürzung etwa für Pflege, Weiterbildung, Erziehung sollen entwickelt werden. Was entstehen könnte, ist ein Gesamttarifwerk, das erstens die Breite der Forderungen und Bedürfnisse der IG Metall-Mitglieder abbildet und zweitens auch die überfällige Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost- und Westdeutschland vorantreibt.

Bernd Kruppa hatte auf der Arbeitszeitkonferenz in Chemnitz im Juni verschiedene Modelle und Handlungsoptionen vorgestellt.  

Den Fahrplan für die Tarifrunde und den Forderungskatalog legen die Mitglieder mit ihrer Gewerkschaft in den verbleibenden Wochen fest. Die IG Metall will ihre Forderungen am 24. Oktober bekanntgeben. Zum Verhandlungsauftakt in Zwickau am 4. November wird eine vierstellige Zahl an Beschäftigten erwartet, die Druck hinter diese Forderungen bringen wollen. Fest steht schon jetzt: Die Tarifrunde 2018 wird anspruchsvoll und auseinandersetzungsreich. Bernd Kruppa: „Der Kampf um die Arbeitszeit zeigt einen Grundkonflitk zwischen Kapital und Arbeit auf. Deshalb waren diese Auseinandersetzungen historisch auch immer die härtesten.“ jme

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