Kommentar zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation

Auf dass es wieder anders werden muss

17.04.2026 | Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn man morgens das Radio anmacht, mittags auf dem Smartphone durch die sozialen Medien scrollt oder am Abend die Nachrichten im Fernsehen verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, dass die ganze Welt verrückt geworden ist.

(Text in einfacher Sprache weiter unten)

Kriege, Zölle, Ausland, Inland, Trump, Merz, Wirtschaft, Zapfsäulen, Mieten und dazwischen Timmy der Wal. Eine Flut an Schlagzeilen, Headlines, Eilmeldungen und Sondersendungen. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten uns, dass sie  überlastet sind von all diesen Meldungen über Katastrophen, Kriege und glückloser Versuche der Bundesregierung für Entlastung der Menschen zu sorgen. 

Seit Beginn der Krise findet ein nie dagewesener Angriff auf Arbeitnehmer*innenrechte und den Sozialstaat statt. Kaum eine Woche verging, in der nicht eine Forderung die nächste jagt und versucht wird, die Axt an unsere sozialen Sicherungssysteme anzulegen. Diese Forderungen wie beispielsweise das Streichen von Feiertagen, unbezahlte Karenztage bei Krankheit, die Abschaffung des 8-Stunden Tages oder der telefonischen Krankschreibung sind keine geeigneten Maßnahmen, um die deutsche Wirtschaft wieder in Fahrt zu bekommen. Es sind politische Schnellschüsse, die kaum bis keinerlei Wirkung erzielen. Sie zahlen jedoch ein auf das Konto derer, die seit Monaten versuchen, den Menschen einzureden, sie wären das Problem. Sie wären zu faul, zu alt, zu krank, zu langsam.

Das Gegenteil ist der Fall: Statistisch wurde in diesem Land noch nie so viel gearbeitet wie im vergangenen Jahr. Das Arbeitsvolumen und die Zahl der Erwerbstätigen sind auf dem Höchststand. Und dennoch wird es für viele Kolleginnen und Kollegen zunehmend schwieriger, die finanziellen Belastungen zu stemmen.

Gleichzeitig ist das Vermögen von Milliardär*innen weltweit seit 2020 um mehr als 80 Prozent gestiegen. In Deutschland wuchs das Gesamtvermögen von Milliardär*innen 2025 um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar, während etwa ein Fünftel der Menschen im Land in Armut lebt.

Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass hier ein Ungleichgewicht herrscht. Das Versprechen, dass starke Schultern mehr tragen müssen, scheint einseitig aufgekündigt. Die stärksten Schultern haben sich längst aus der Verantwortung gestohlen und tun alles dafür, dass das so bleibt. Gewinne werden privatisiert – Verluste werden kollektiviert. Und man redet den Beschäftigten ein, sie wären schuld an der Misere.

Während Arbeitsplätze abgebaut, Investitionen gestrichen, Infrastruktur vernachlässigt und Tarifstandards aufgeweicht werden. Die Krise hat Konjunktur.

Der Nebeneffekt: Vereinzelung, das Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Willkür. Wasser auf den Mühlen derer, die Ausgrenzen, Spalten und Destabilisieren wollen.

Die Krise darf nicht zum Normalzustand werden

Wir müssen raus aus der Krise, sie darf kein Normalzustand werden und keinen Anlass für einzelne geben, sich in der Krise zu sehr wohlzufühlen. Je länger wir uns in der Rezession befinden, desto schärfer werden die Angriffe auf Arbeitnehmer*innenrechte. Jüngstes Beispiel ist der Vorschlag der Union, den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen. Diese Forderung ist absolut respektlos gegenüber allen Beschäftigten in diesem Land und zeigt, dass Teile der Politik den Fokus völlig verloren haben.

Auch wenn diese multiplen Krisen beispiellos in der jüngeren Vergangenheit sind, so ist es uns dennoch in bisherigen Krisen gelungen, gemeinsam Instrumente und Werkzeuge zur Bewältigung zu entwickeln. Voraussetzung dafür sind zum einen verlässliche politische Rahmenbedingungen und zum anderen Organisation und Selbstermächtigung, also die Rückbesinnung auf eigene Handlungsspielräume im Kleinen wie im Großen. Die Beschäftigten müssen Teil der Lösung sein. Der Wandel kann nicht ohne oder gar gegen sie stattfinden. Gewerkschaftlich organisierte Belegschaften mit starken Mitbestimmungsorganen sind in der Lage, flexibel zu reagieren, ohne dabei die Krisenlast einseitig auf dem Rücken der Beschäftigten abzuladen.

Viele aktuelle Ansätze funktionieren nicht wirklich. Es sind vielmehr ideologisch getriebene Vorschläge und Kulturkämpfe, die den Fortschritt behindern und Notlagen verschärfen.

Deshalb: raus aus der Vereinzelung. Ohnmacht in Wirkmächtigkeit tauschen und sichtbar sein. Im Betrieb und auf der Straße.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

lasst uns den 1. Mai in Leipzig nutzen, um deutlich zu zeigen, dass rote Linien längst überschritten sind, dass es Politik für die Mehrheit der Menschen in diesem Land braucht und Entlastungen, die spürbar bei den Menschen ankommen.

Dass für uns der Erhalt unserer Arbeitsplätze, gute Arbeits- und Lebensbedingungen und soziale Sicherheit an erster Stelle stehen.

Dass wir solidarisch mit all unseren Kolleginnen und Kollegen Seite an Seite stehen, die täglich dafür sorgen, dass der Laden läuft.

Erst unsere Jobs, dann eure Profite.

Mit solidarischen Grüßen

Steffen Reißig und Michael Hecker, IG Metall Leipzig


Text in einfacher Sprache: 

Es muss wieder anders werden

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

jeden Tag hören und sehen wir viele Nachrichten.
Morgens im Radio.
Mittags auf dem Handy.
Abends im Fernsehen.

Viele Menschen haben das Gefühl:
Die Welt spielt verrückt.

Es geht um Kriege.
Um hohe Preise.
Um Politik im In- und Ausland.
Um bekannte Politiker.
Um die Wirtschaft.
Um teure Mieten und Benzin.

Dazu kommen ständig neue Eilmeldungen.
Das alles macht müde.

Viele Kolleginnen und Kollegen sagen uns:
Wir können diese schlechten Nachrichten nicht mehr hören.
Immer geht es um Krisen.
Immer geht es um Probleme.
Und die Politik schafft es nicht, das Leben einfacher zu machen.


Druck auf Beschäftigte

Seit Beginn der Krise gibt es starke Angriffe auf Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Fast jede Woche gibt es neue Forderungen.

Zum Beispiel:

  • Weniger Feiertage
  • Keine Bezahlung am ersten Krankheitstag
  • Abschaffung des 8‑Stunden‑Tages
  • Keine telefonische Krankschreibung mehr

Diese Vorschläge helfen den Menschen nicht.
Sie lösen keine wirklichen Probleme.

Aber sie schaden den Beschäftigten.
Denn viele Politiker sagen damit:
Die Arbeitenden sind schuld.

Sie sagen:

  • Ihr seid zu faul
  • Ihr seid zu alt
  • Ihr seid zu krank

Das ist falsch.


Die Wahrheit sieht anders aus

Noch nie wurde in Deutschland so viel gearbeitet wie im letzten Jahr.
So viele Menschen wie nie zuvor haben einen Job.

Trotzdem reicht das Geld für viele nicht mehr aus.
Mieten, Strom und Lebensmittel sind sehr teuer geworden.

Gleichzeitig werden sehr reiche Menschen immer reicher.
Milliardärinnen und Milliardäre haben seit 2020 viel mehr Vermögen.
In Deutschland besitzen sie zusammen über 800 Milliarden Dollar.

Aber etwa jeder fünfte Mensch lebt hier in Armut.

Das ist ungerecht.
Die Lasten sind sehr ungleich verteilt.

Die Starken sollten mehr tragen.
Aber genau das passiert nicht.

Gewinne bleiben bei wenigen.
Verluste tragen alle.

Und wieder hören Beschäftigte:
Ihr seid schuld an der Krise.


Folgen der Krise

Viele Arbeitsplätze gehen verloren.
Firmen investieren weniger.
Straßen, Schulen und Bahnen werden nicht gut gepflegt.
Tarifverträge werden geschwächt.

Die Krise wird zum Alltag.

Viele Menschen fühlen sich allein.
Sie fühlen sich machtlos.
Sie haben Angst.

Davon profitieren Menschen,
die spalten wollen
und andere ausgrenzen.


Die Krise darf kein Dauerzustand sein

Die Krise darf nicht normal werden.
Niemand darf sich auf Kosten anderer daran gewöhnen.

Je länger die Krise dauert,
desto stärker werden die Angriffe auf Rechte von Beschäftigten.

Ein Beispiel:
Der Vorschlag, den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen.

Das ist respektlos.
Der 1. Mai steht für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Solche Ideen zeigen:
Manche Politiker haben den Blick für die Menschen verloren.


Gemeinsam Lösungen finden

Auch früher gab es schwere Krisen.
Und wir haben gelernt:
Gemeinsam können wir sie bewältigen.

Dafür brauchen wir:

  • klare und verlässliche Politik
  • starke Gewerkschaften
  • Mitbestimmung im Betrieb

Beschäftigte müssen Teil der Lösung sein.
Veränderung geht nicht ohne sie.
Und schon gar nicht gegen sie.

Gut organisierte Belegschaften können Krisen meistern.
Ohne dass Beschäftigte alles allein tragen müssen.

Die bisherigen Vorschläge reichen nicht aus.
Ideologische Kämpfe helfen niemandem.
Sie machen alles nur schlimmer.


Gemeinsam sichtbar werden

Deshalb: Raus aus der Vereinzelung.
Raus aus der Ohnmacht.

Gemeinsam können wir etwas bewegen.
Im Betrieb.
Und auf der Straße.


1. Mai: Ein klares Zeichen setzen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

lasst uns den 1. Mai in Leipzig nutzen.

Lasst uns zeigen:

  • Grenzen sind überschritten
  • Politik muss für die Mehrheit da sein
  • Entlastung muss bei den Menschen ankommen

Für uns sind wichtig:

  • sichere Arbeitsplätze
  • gute Arbeits- und Lebensbedingungen
  • soziale Absicherung

Wir stehen solidarisch zusammen.
Seite an Seite mit allen Kolleginnen und Kollegen,
die jeden Tag dafür sorgen,
dass alles läuft.

 

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