21.09.2026 | Rund 175.000 Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau und Werksschließungen in der Autoindustrie. „Die Beschäftigten sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben“, sagt Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. Nötig sind Zukunftsinvestitionen.
Kurz vor 13 Uhr geht es los – da strömen die Beschäftigten auf den Platz vor der Halle B des Audi-Werks in Ingolstadt. Dicht an dicht stehen sie bis auf die anliegende Straße und darüber hinaus. Nirgendwo ein Durchkommen. „Wir wollen ein klares Zeichen setzen“, ruft Karola Frank, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Standort, bei der Betriebsratssprechstunde ins Mikrofon. Mit Schildern zeigen die Beschäftigten, was ihnen auf dem Herzen brennt: „Vorstände versagen und wir sollen zahlen? Nicht mit uns!“, steht da geschrieben. Oder: „Hände weg von unseren Arbeitsplätzen.“
„Der Vorstand bei uns im vierten Stock sollte mal lieber seinen Job machen“, bringt es Jörg Schlagbauer, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, während der Betriebsratssprechstunde auf den Punkt: „Audi braucht Innovationen und Audi braucht Investitionen“. Der Metaller macht deutlich: „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Audi ist mehr als Kennzahlen, Audi ist mehr als die vier Ringe. Audi, das seid ihr, die Beschäftigten.“ Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betont: „So nicht, liebe Manager. Wir alle sind unser Geld wert. Wenn ihr Euer Geld wert sein wollt, dann macht endlich Euren Job, liebe Manager.“
Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ haben heute rund 175.000 Beschäftigte gegen Angriffe der Arbeitgeber auf ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen in der Automobilindustrie demonstriert. Sie trafen sich bei rund 280 Aktionen im gesamten Bundesgebiet – auf besonderen, eigens für diesen Tag anberaumten Betriebsversammlungen, bei protestartigen, aktiven Mittagspausen, bei Kundgebungen vor den Werkstoren, bei Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen und bei ähnlichen Veranstaltungen. Laut und unmissverständlich machten sie sich für die Zukunft der Autoindustrie in Deutschland stark.
Beteiligt waren Beschäftigte aller großen Autohersteller sowie Dutzender großer und kleinerer Zulieferer. Die Beschäftigten kritisierten Angriffe auf ihre Rechte, jahrelanges Missmanagement sowie falsche Krisenkonzepte der Unternehmen. Lautstark forderten sie die Arbeitgeber auf: „Stoppt den Kahlschlag und investiert endlich in die Zukunft unserer Werke!“
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, ruft die Unternehmen zum Umdenken auf: „Die Managements müssen endlich begreifen: Leute rausschmeißen wird die Wirtschaft nicht retten! Das wird die deutsche Autoindustrie nicht wieder an die Spitze bringen. Das wird nur mit Innovationen und mutigen Investitionen in Produkte, Technologie und Standorte – kurz, in die Zukunft – gelingen. Das ist die Botschaft, die von diesem Tag ausgeht. Ein Weckruf an Arbeitgeber und an die Politik! Die Beschäftigten der Automobilindustrie haben ein beeindruckendes Zeichen gesetzt: Sie sind nicht länger bereit für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben. Ein großer Dank geht an alle Kolleginnen und Kollegen, die heute mit uns für ihre Arbeitsplätze und unser aller Wohlstand protestiert haben!“
Für jeden sichtbar und hörbar wurde an diesem Tag: Die Beschäftigten sind nicht länger bereit, Sparprogramme, Stellenabbau, Verlagerungen und Werksschließungen hinzunehmen. Sie sind nicht länger bereit, den Angriffen auf die Beschäftigung an den deutschen Automobilstandorten tatenlos zuzusehen – denn die Ursachen der Krise liegen nicht bei den Beschäftigten.
Die Automobilindustrie steht unter Druck: Globale Verwerfungen auf den Weltmärkten, neue Konkurrenz, verschleppte Investitionen und Fehlentscheidungen des Managements haben die Branche in eine schwierige Lage gebracht. Die Unternehmen reagieren mit Stellenabbau im großen Stil, Werksschließungen und Verlagerungen ins Ausland. Das verunsichert die Beschäftigten, gefährdet die Zukunft dieser Schlüsselbranche und bedroht den Wohlstand ganzer Regionen.
Die IG Metall drängt darum darauf, die Branche in Deutschland wieder zukunftsfest aufzustellen, indem Unternehmen auf Innovation setzen, in Zukunftsfelder investieren und ihre Strategie an die veränderten Märkte anpassen. Die heftigen Angriffe der Arbeitgeberseite auf Rechte der Beschäftigten wie die 35-Stunden-Woche, Tarifverträge und Mitbestimmung verurteilt die IG Metall als in der Sache falsch, nicht zielführend und ungerecht.
Die IG Metall fordert zudem eine aktive Industriepolitik ein, die die veränderten globalen Rahmenbedingungen ernstnimmt und gegensteuert: Mit gezielter Förderung, wirksamem Handelsschutz und klaren Local-Content-Vorgaben. Darüber hinaus setzt sich die IG Metall dafür ein, dass in den aktuellen Reformbestrebungen der Bundesregierung die Perspektive der Beschäftigten in der Industrie nicht verloren geht. Die Gewerkschaft macht deutlich: Die Rente nach 45 Jahren für langjährig Versicherte sowie die Altersteilzeit im Blockmodell müssen erhalten bleiben.
Lesetipp: FAQ zur Krise in der Automobilindustrie
Quelle: www.igmetall.de