18.12.2025 | Seit Ende September sind die Tarifverträge beim Kontraktlogistikdienstleister Seifert Logistics gekündigt und die IG Metall hat ihre Tarifforderung ordnungsgemäß übermittelt. Es folgten drei Verhandlungstermine, in denen der Arbeitgeber kein substanzielles Angebot vorgetragen hat.
Stattdessen will sich Seifert, die für das Porsche Werk arbeiten, dauerhaft vom "tariflichen Ordnungsrahmen" für die Kontraktlogistik im Automobilcluster Leipzig abkoppeln.
Der Arbeitgeber sprach in den Verhandlungen von Nullrunde. Höchstens könne man sich eine Einmalzahlung vorstellen, die aber auf Nachfrage weder in der Höhe, noch einem Auszahlungszeitpunkt konkretisiert wurde.
Mittlerweile haben 10 von 11 Kontraktlogistikbetrieben ein gültiges Verhandlungsergebnis. Dies beinhaltet neben Entgelterhöhungen, der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche, auch die Einführung eines tariflichen Zusatzgeldes (T-ZUG), welches in zusätzliche freie Tage gewandelt werden kann.
Seifert Logistics legt auch im 3. Termin kein Angebot vor und provoziert mit dieser Strategie unnötigerweise eine Eskalation des Tarifkonflikts in das Jahr 2026 hinein.
Die IG Metall bereitet sich über die Feiertage auf eine harte Auseinandersetzung vor und hat der Firma gleichzeitig die Möglichkeit gegeben bis zum 5. Januar 2026 um 15 Uhr ein verhandlungsfähiges Angebot zu machen, damit am Verhandlungstisch eine Lösung gefunden werden kann.
"Seit Wochen wird verhandelt, doch bisher gibt es kein Ergebnis. Jetzt müssen wir den Druck erhöhen. Die Beschäftigten erwarten zügig eine Lösung und die IG Metall Leipzig wird auch zukünftig keine unterschiedlichen Tarifniveaus dulden und den tariflichen Ordnungsrahmen in der Leipziger Kontraktlogistik schützen. Die Branche muss bei Entgelten und Arbeitszeiten attraktiv bleiben, und den harten Wettbewerb nicht über unterschiedliche Arbeitsbedingungen der Arbeits- und Fachkräfte, sondern über die Qualität der angebotenen Dienstleistung entscheiden“ sagte Steffen Reißig, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig.
Hintergrund: Was ist der "tarifliche Orndungsrahmen":
Die Kontraktlogistik ist ein Geschäftsmodell, das mehrere Dienstleistungen miteinander kombiniert und in der Automobilindustrie und der Luft- und Raumfahrtindustrie weit verbreitet ist. Die Kontraktlogistikdienstleistungen umfassen kundenbezogene Speditionstätigkeiten wie Transport, Lagerhaltung und Umschlag, sowie weitere logistische und fertigungsnahe Dienstleistungen der Metall- und Elektroindustrie.
Es ist eine Branche, die erst in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen ist. Per Werkvertrag übernehmen sie im Automobilcluster Leipzig Arbeiten für die Autohersteller, so wurden anfangs Tarifverträge unterlaufen und prekäre Arbeitsplätze mit schlechteren Arbeitsbedingungen und Billiglöhnen geschaffen.
Der IG Metall Leipzig ist über die Jahre gelungen mit den einzelnen Logistikdienstleister Haustarifverträge abzuschließen, die in den wesentlichen Bedingungen (Entgelt, Arbeitszeiten, Laufzeiten, usw.) synchronisiert sind und damit den "tariflichen Ordnungsrahmen bilden.