17.11.2025 | Siemens hat im Vorfeld des Capital Market Day am 13. November 2025 die Absicht verkündet, seine seit Carve Out aus der Siemens AG und Börsengang im Jahr 2018 gehaltene Mehrheit an der Siemens Healthineers AG abzugeben und damit die Fokussierung auf die "ONE Tech Company" weiter voranzutreiben.
IG Metall und Betriebsräte haben weitreichende Sicherheiten für die betroffenen Beschäftigten vereinbart.
Aktuell hält Siemens noch gut zwei Drittel der Aktien der Healthineers AG (SHS). Dieser Anteil soll durch mehrere Maßnahmen reduziert werden, um schließlich zu einer Minderheitsbeteiligung deutlich unter 50 Prozent zu werden.
Auf der Arbeitnehmerseite wurden diese Absicht des Siemens-Vorstands intensiv und sehr ausführlich diskutiert sowie ergänzende Informationen eingeholt. Die zentrale Begründung – SHS passt technologisch nur sehr eingeschränkt in das unternehmensweit massiv vorangetriebene Konzept einer ONE Tech Company und wäre kaum in sie integrierbar – ist aus Sicht der IG Metall und der Spitzen der entscheidenden Betriebsratsgremien bei Siemens und Siemens Healthineers im Grundsatz plausibel.
Die Trennung unter für beide Unternehmen tragfähigen Bedingungen ist vor diesem Hintergrund letztlich ein konsequenter Schritt, wenngleich er angesichts der Unternehmensgeschichte und der langjährigen Zusammengehörigkeit nicht leichtfällt. Auch deshalb hatte es für die Arbeitnehmerseite entscheidende Bedeutung, den Trennungsprozess im Interesse der Beschäftigten und der Stabilität beider Unternehmen zu gestalten.
In entsprechenden Verhandlungen wurden wichtige Zusagen erreicht und durch IG Metall, Gesamtbetriebsrat von SHS und Firmenseite in einem Eckpunktepapier vereinbart. Darin ist unter anderem die Tarifbindung für SHS unverändert gewährleistet, ergänzend wird es Gespräche zur Tarifbindung der Tochter Varian geben. Die Schutzfunktionen der Standort- und Beschäftigungssicherung „Radolfzell“ bleiben bei SHS uneingeschränkt erhalten, ebenso die betriebliche und die gewerkschaftliche Mitbestimmung.
Darüber hinaus ist festgelegt, dass die SHS-Unternehmenszentrale und das Börsenlisting in Deutschland nicht angetastet werden. In Summe wird mit diesen und weiteren Punkten eine Verschlechterung der Beschäftigungsbedingungen bei SHS nachhaltig verhindert.
Mit Blick auf Siemens selbst ist für die Arbeitnehmerseite besonders wichtig, dass mit den Erlösen des Aktienverkaufs nicht nur die Aktionäre bedient werden, sondern die Siemens AG nachhaltig durch weitere Zukäufe im Bereich Soft- und Hardware in den Kerngeschäften gestärkt wird; auch dies wird berücksichtigt.
Jürgen Kerner, 2. Vorsitzender der IG Metall sowie Mitglied des Aufsichtsrates der Siemens AG, fasst die Position der Arbeitnehmerseite zusammen: „Wir tragen das Konzept der integrierten ONE Tech Company mit, weil es aus heutiger Sicht langfristig die besten Aussichten für Siemens bietet. Denkt man das konsequent weiter, dann passt Siemens Healthineers technologisch bei einer „ONE Tech Company“ auf Dauer nicht wirklich zu den Kernelementen DI, SI und Mobility und hat obendrein eigenständig bessere Chancen. Sich wider besseres Wissen an der aktuellen Struktur festzuklammern, geht dann nicht mehr – stattdessen kommt es auf bestmögliche Gestaltung der Veränderung an.“
Birgit Steinborn, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Siemens AG, fügt hinzu: „Die Entscheidung war nicht einfach, aber letztlich mit Blick auf die Zukunftsperspektive aller Beteiligten schlüssig: Unter den bestehenden Vorzeichen ist der jetzt eingeschlagene Weg der beste. Wichtig ist für uns mit Blick auf die Folgen für die Beschäftigten bei Siemens aber, dass die Erlöse aus dem Aktienverkauf nicht als einmalige Kursspritze vor allem den Aktionärinnen und Aktionären zugutekommt – wir verlangen eine kluge und vorausschauende Reinvestition des Löwenanteils in das Unternehmen.“
Dorothea Simon ergänzt aus ihrer besonderen Perspektive als Mitglied des Aufsichtsräte der Siemens AG und der Siemens Healthineers AG sowie Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Siemens Healthineers AG: „Wir können der Argumentation des Siemens-Vorstandes zwar folgen, ihr aber als unmittelbar Betroffene eigentlich emotional nicht zustimmen, denn wir würden es lieber sehen, dass die Siemens AG Mehrheitsaktionär bleibt. Nachdem sich das aber letztlich nicht realistisch durchsetzen lässt, haben wir uns voll dafür eingesetzt, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen bei Siemens und der IG Metall optimale Bedingungen für die Beschäftigten und ihre Mitbestimmung zu gewährleisten.“
Quelle: www.dialog-igmetall.de