„Hey, hey Joe…“

Siemens-Beschäftigte in Leipzig kündigen kreativen Widerstand an – Metallerinnen und Metaller machen Druck für ihren Standort in Leipzig-Plagwitz

26.10.2017 | Die Ankündigung der Konzernleitung, auch die Siemens Compressor Systems GmbH schließen zu wollen, bringt die Menschen im Leipziger Stadtteil Plagwitz auf die Straße. 270 Arbeitsplätze sind bedroht. Der Verlust von weit mehr Arbeitsplätzen im Umfeld von Siemens könnte folgen, befürchtet die IG Metall Leipzig.

Beschäftigte der Siemens Compressor Systems GmbH in Leipzig-Plagwitz demonstrieren am 25. Oktober 2017 für ihren Standort. Foto: Christian Modla

Doch nicht nur die hochorganisierte und tarifgebundene Belegschaft in Plagwitz werde mit ihrer Gewerkschaft gegen die „unternehmerisch falsche und nur scheinbar alternativlose“ Drohung der Konzernführung kämpfen, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Leipzig, Bernd Kruppa, am Donnerstag in Leipzig. 

Die Siemens Compressor Systems GmbH existiert in ihrer eigenständigen Form seit März 2017. Davor hieß der Standort zusammen mit dem Werk in Frankenthal Siemens Turbomachinery Equipment GmbH. In dem Plagwitzer Kompressorenwerk, das seit 2006 zum Siemens-Konzern gehört, arbeiten heute 270 Beschäftigte. Sie stellen Getriebe- und Einwellenverdichter her, die weltweit in der chemischen Industrie, Öl- und Gasförderanlagen eingesetzt werden. 

Plagwitz ist ein Stadtteil, in dem alte Industrie und „Industrie 4.0“, Start-Ups, Kreativität und Kunst Tür an Tür leben. Die ansässigen traditionsreichen Betriebe wie beispielsweise Siemens, Heiterblick, Kirow oder Mikrosa produzieren dort, neue Unternehmen haben sich angesiedelt. Kunst- und Kulturschaffende habe die alten Fabrikgebäude aus der Hochzeit des Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert mit neuem Leben gefüllt.

Mit dem „SpinLab“, einem Kooperationsprojekt der Handelshochschule Leipzig und der Baumwollspinnerei, hat sich ein Accelerator (Beschleuniger) für die Gründerszene angesiedelt, der junge Unternehmen in ihrer Entwicklung unterstützt.

Im Projekt Gieszerstraße 16, einem der ersten selbstverwalteten Kulturprojekte in Plagwitz, finden sich unter anderem viele StreetArt-Künstlerinnen und Künstler, und mit dem Westwerk sei nur ein weiteres Kunst- und Kulturprojekt in dem von Industriebauten geprägten Stadtteil genannt. 

„Für uns sind das alles potenzielle Bündnispartner im Kampf gegen die Schließung“, sagte Bernd Kruppa. Die IG Metall werde jetzt ihre Kontakte nutzen und „den Stadtteil mobilisieren“. 

Von dem bunten Mix in Plagwitz profitieren besonders auch Unternehmen wie Siemens mit der Weiterentwicklung ihrer Produkte und der Entwicklung neuer Technologien. Das Siemens Kompressorenwerk Plagwitz ist internationaler Marktführer im Bereich der Chlorgasverdichtung.  

Überdies ist Siemens einer der Sponsoren des Leipziger Wirtschaftspreises „Via Oeconomica“, mit dem Unternehmen für ihre Kontinuität und Standorttreue ausgezeichnet werden. 

Umso unverständlicher sei es, dass der Plagwitzer Siemens-Standort auf der jüngsten Streichliste der Konzernführung auftaucht, so Kruppa.

Einerseits die innovative Bedeutung des Mittelstandes über den grünen Klee zu loben und andererseits dessen Geringschätzung mit der Schließung ebensolcher Standorte zum Ausdruck zu bringen, spreche vor allem dem kreativen Engagement des Siemens-Konzerns Hohn. 

Es reiche eben nicht, sich lokal ein sozialverträgliches Image zu geben, wenn man auf Leitungsebene durchscheinen lasse, dass es nur darum geht, mit einem guten Image mehr Profit zu machen. „Davon, dass es um Menschen geht und um einen lebendigen atmenden Stadtteil“, so Bernd Kruppa, „hat das Spitzenpersonal bei Siemens in München entweder keine Ahnung oder es ist ihnen egal.“ 

Kruppa kündigte an, die IG Metall werde nun gegen die drohende Schließung den Schulterschluss mit der Bevölkerung, Kreativen, der Kunstszene oder anderen in Plagwitz ansässigen Unternehmen suchen. „Der Widerstand wird hart ausfallen, mit kreativen Aktionen und intelligenten Lösungen“, sagte Kruppa weiter, „denn wenn sich wirtschaftliche Unvernunft mit Ignoranz und Unkenntnis mischen, müssen wir das prinzipiell bekämpfen.“ 

„Es geht bei Siemens um das Image des innovativen, hippen Konzerns im Alternativen Künstlerviertel, das nicht beschädigt werden sollte. Mit der Schließungsankündigung hat es aber einen dicken Kratzer bekommen.“ Es liege nun an der Konzernleitung, wie groß der Schaden noch wird. 

Mit dem erfolgreichen Kampf um die Standorterhaltung hat die IG Metall Leipzig Erfahrung. Im Jahr 2014 machte Siemens nach achtmonatiger Auseinandersetzung erstmals in der Konzerngeschichte eine Schließungsankündigung rückgängig.

„Wir streben auch an, das Leipziger Aktionsbündnis zu aktivieren, das im Jahr 2013 gegen die Schließung des Siemens-Standortes in Böhlitz-Ehrenberg gekämpft hat“, sagte Kruppa. „Und Siemens-Chef Joe Kaeser sollte sich mit diesem Teil der Leipziger Geschichte gut auseinanderzusetzen, bevor er ohne Not und jede Kreativität Schließungspläne verkündet. Der Kampf um die unternehmerisch beste Lösung hat begonnen. Wir werden uns mit den Kämpfen der Kolleginnen und Kollegen von Görlitz über Erfurt bis Berlin verbünden und streben eine industriepolitische Initiative mit Unterstützung der Politik, Wirtschaft und Kultur an.“  

„Mich treibt nicht das Geld. Mir ist wichtig, was die Menschen einmal über meine Amtszeit sagen.“ Joe Kaeser (Interview im „Focus“, 32/2013) 

„Hey Joe, what are you doing with that gun in your hand?“ (Jimi Hendrix)

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