02.10.2026 | Nach einer langen und schwierigen Phase der Insolvenz gibt es für die Beschäftigten endlich wieder eine tarifliche Perspektive. Die IG Metall hat gemeinsam mit den Beschäftigten einen Abschluss erreicht, der u.a. die Entgelte erhöht und das Tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG) einführt.
Die vergangenen Monate haben den Beschäftigten viel abverlangt. Wirtschaftliche Unsicherheit und die Folgen der Insolvenz haben den betrieblichen Alltag geprägt. Umso wichtiger ist das jetzt erzielte Verhandlungsergebnis: Es schafft wieder Verlässlichkeit und bringt konkrete Verbesserungen bei Entgelt und Arbeitsbedingungen.
Aus Sicht der IG Metall Leipzig ist der Abschluss deshalb ein wichtiger Schritt nach vorn. Er verbindet die notwendige wirtschaftliche Stabilisierung mit einer spürbaren Beteiligung der Beschäftigten an der weiteren Entwicklung.
Bei den Monatsentgelten konnten drei Erhöhungsschritte vereinbart werden.
Ab dem 1. Oktober 2026 steigen die Monatsgrundentgelte zunächst um 2,0 Prozent, mindestens jedoch um 60 Euro. Zwei weitere Erhöhungen sind im Jahr 2027 geplant.
Zusätzlich erhalten die Beschäftigten mit der Abrechnung für Oktober 2026 eine Einmalzahlung in Höhe von dreimal 2 Prozent des individuellen Tarifgehalts, mindestens jedoch 180 Euro.
Weitere Erhöhungen folgen bereits 2027:
Damit werden die Tabellenentgelte innerhalb eines Jahres dreimal angehoben.
Der Entgelttarifvertrag hat eine Laufzeit von 18 Monaten (bis 31. März 2028).
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Abschlusses ist die Einführung des Tariflichen Zusatzgeldes, kurz T-ZUG.
Damit entsteht neben dem monatlichen Entgelt ein zusätzlicher tariflicher Anspruch:
Ab 2029 ist außerdem erstmals eine Wandlung des T-ZUGs in freie Tage vorgesehen. Wie eine kollektive beziehungsweise individuelle Wandlung konkret ausgestaltet wird, ist zwischen den Betriebsparteien zu vereinbaren.
Damit schaffen die Tarifparteien eine Perspektive, bei der Beschäftigte künftig nicht nur von zusätzlichem Entgelt profitieren, sondern auch zusätzliche freie Zeit vereinbart werden kann.
Aufrund der vollen Auftragsbücher und der hohen Auslastung haben die Tarifparteien ein neues Flexibilitätsinstrument geschaffen. Zukünftig können bis zu 10 Prozent der Beschäftigten individuell und mit Lohnausgleich ihre Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche erhöhen.
Wenn ein Beschäftigter eine Verlängerung der individuellen, wöchentlichen Arbeitszeit ablehnt, darf ihr oder ihm daraus kein Nachteil entstehen.
Das neue Instrument sichert Freiwilligkeit, Bezahlung und Rückkehrmöglichkeit tariflich ab und erhöht gleichzeitig die betriebliche Flexibilität.
Ein wichtiger Erfolg betrifft auch die nächste Generation im Betrieb.
Ab Oktober 2026 wird ein Tarifvertrag für Auszubildende und dual Studierende auf dem Niveau des Flächentarifvertrags der sächsischen Metall- und Elektroindustrie eingeführt.
Auch zukünftige Erhöhungen der Ausbildungsvergütungen werden an die Erhöhungen im Flächentarifvertrag gekoppelt.
Damit werden nicht nur die Ausbildungsvergütungen verbessert. Es entsteht gleichzeitig eine dauerhafte tarifliche Anbindung an die weitere Entwicklung der Ausbildungsvergütungen.
Der Abschluss ist vor dem Hintergrund der langen Insolvenz besonders zu bewerten. Für die Beschäftigten ging es in dieser Zeit nicht nur um höhere Entgelte, sondern zunächst um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und des Betriebes.
Jetzt ist es gelungen, wieder konkrete tarifliche Verbesserungen durchzusetzen und eine Perspektive für die kommenden Jahre zu schaffen.
Drei Erhöhungsschritte bei den Entgelten, zusätzliche Einmalzahlungen, die Einführung des T-ZUGs, klare Regeln für Arbeitszeiten und deutliche Verbesserungen für Auszubildende und dual Studierende bilden dafür ein starkes Gesamtpaket.
Der Abschluss zeigt zugleich, warum Tarifbindung und gewerkschaftliche Organisation wichtig sind: Gute Arbeitsbedingungen entstehen nicht von allein. Sie müssen gemeinsam durchgesetzt und dauerhaft abgesichert werden.
"Nach einer langen Zeit der Unsicherheit ist dieser Tarifabschluss ein wichtiges Signal für die Beschäftigten: Es geht wieder nach vorn. Wir schaffen steigende Entgelte, führen das tarifliche Zusatzgeld mit Wandlungsoption ein und verbessern die Bedingungen für Auszubildende und dual Studierende. Das ist ein wichtiger Schritt zurück zu tariflicher Normalität und Verlässlichkeit. Gleichzeitig wissen wir: Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, dass die Beschäftigten gemeinsam für ihre Interessen einstehen." so Michael Hecker, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig.
Unser Grundsatz bleibt: Gemeinsam sind wir stärker. Gute Arbeit braucht Tarifverträge und eine starke IG Metall.