Aktionstag bei Mercedes-Benz

33.000 Beschäftigte der Autoindustrie geben Warnung ab

06.07.2026 | Den Beschäftigten der Automobilindustrie reicht es. Nicht länger lassen sie sich zum Sündenbock machen, wenn Managementfehler und geopolitische Konflikte Ursache der Krise sind. Als erstes gingen Beschäftigte von Mercedes-Benz auf die Straße. Es ist der Auftakt eines heißen Sommers und Herbstes.

Foto: Lando Hass

Um ein deutliches Zeichen zu setzen, sind über 33.000 Beschäftigte von Mercedes-Benz vor die Werkstore ihrer Standorte gezogen. „Hallo Management: So läuft es nicht! Während Aktionäre mehr als ordentlich profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich festgeschriebenen Rechte opfern? Sicher nicht!“, betonte Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, die zu den Beschäftigten am Standort Düsseldorf gereist war.

Bei Mercedes-Benz soll kräftig gespart werden – auf Kosten der Beschäftigten. Die Unternehmenslenker finden, dass die Beschäftigten fünf Stunden die Woche mehr arbeiten sollten, ohne dafür einen Cent mehr Geld zu bekommen. Zeitgleich verschieben sie die Auszahlung des im Juli anstehenden Trafobausteins auf April nächsten Jahres – mit dem Vorbehalt, die Zahlung ganz zu streichen.

„Das Vorgehen des Unternehmens verunsichert und demotiviert viele Kolleginnen und Kollegen massiv. Statt Perspektiven für Standorte und Beschäftigung zu schaffen, wird Druck aufgebaut“, kritisierte Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, vor dem Werkstor 7 in Sindelfingen. 

 

Beschäftigte sind keine Verfügungsmasse

Sparprogramme, Stellenabbau, Verlagerungen, Werkschließungen: In ganz Deutschland sorgen die Entscheider der Automobilhersteller und Zulieferer für schlechte Nachrichten. 50.000 Arbeitsplätze haben sie vergangenes Jahr in der Automobilindustrie abgebaut – und es wird so weiterlaufen, wenn es nach ihnen geht. Aber eines vergessen sie: Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Misere. Das machte der Gesamtbetriebsrat von Mercedes-Benz bereits vor einer Woche deutlich. In einer Presseinformation betonte er: „Die Ursachen der aktuellen Herausforderungen liegen nicht bei den Beschäftigten. Weder die Entwicklung in China, geopolitische Spannungen noch steigende Energiepreise wurden von ihnen verursacht.“

In Rastatt, vor dem Tor 6, kritisierte Barbara Resch, Leiterin der IG Metall Bezirk Baden-Württemberg, das Vorgehen des Konzerns mit dem Stern deutlich: „Mercedes zeigt gerade eindrucksvoll, wie man es nicht macht. Denn wer glaubt, die Zukunft der Industrie lasse sich durch längere Arbeitszeiten, Kürzungen bei Sonderzahlungen und Druck auf die Beschäftigten sichern, irrt gewaltig! Die 35-Stunden-Woche ist kein Auslaufmodell, gute Tarifverträge sind kein Standortnachteil, und Beschäftigte sind keine Verfügungsmasse. Mit der tariflichen Zukunftssicherung sind die Mercedes-Beschäftigten längst in Vorleistung gegangen – jetzt muss das Management liefern.“

IG Metall wird Unternehmenslenkern heißen Sommer und Herbst bescheren

Es ist Zeit, dass die Entscheider der Automobilindustrie endlich Verantwortung übernehmen und echte Zukunftsstrategien entwickeln, statt Traditionsunternehmen mit Sparprogrammen in die Bedeutungslosigkeit zu führen. „Wer Wettbewerbsfähigkeit sichern will, muss in starke Produkte, moderne Technologien und die deutschen Standorte investieren. Zukunft entsteht durch Innovation, kluge Strategie und die Einbindung der Beschäftigten. Genau das fordern wir vom Vorstand“, betont Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Mercedes-Benz.

Die Beschäftigten der Automobilindustrie sind es leid, dass planlose Vorstandsvorsitzende ihre Zukunft verspielen – gemeinsam mit der IG Metall wehren sie sich gegen den Kahlschlag. Den Anfang machten am Freitag die Beschäftigten von Mercedes-Benz. In einem bundesweiten Aktionstag gingen sie auf die Straße: in Kuppenheim, Rastatt, Sindelfingen, Untertürkheim, Bremen, Berlin, Düsseldorf, Ludwigsfelde und Germersheim. Es ist der Auftakt. Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen. Solange weiter Gerüchte aus den Wolfsburger Chefetagen kommen, dass VW neben dem geplanten Stellenabbau zusätzlich 50.000 Arbeitsplätze streichen will, solange Zulieferer ihre Werke schließen und Produktionen verlagern, solange Unternehmen wie BMW die Schlagzeilen dominieren mit Ankündigungen zu Kostensenkungen, solange wird die IG Metall auf massive Gegenwehr schalten.

Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, betonte in Düsseldorf, worum es der Gewerkschaft geht: „Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liegt in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte. Auch von der Politik fordern wir ein klares Signal: Der industrielle Kern dieses Landes darf nicht ausgehöhlt werden. Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die Transformation absichert – mit Investitionen, klaren Standortzusagen und guten Jobs. Renditeinteressen dürfen nicht über die Zukunftsfähigkeit ganzer Standorte gestellt werden.“ 

Quelle: www.igmetall.de

 

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