Siemens AG

Interview zur "ONE Tech Company" - "Aber mit allen!"

29.05.2026 | Vergangene Woche wurde der Wirtschaftsausschuss der Siemens AG über die nächste Stufe der Neuaufstellung zur ONE Tech Company informiert. Wir haben dazu mit Tobias Bäumler (GBR Vorsitzender der Siemens AG, Steffi Lengfelder (stellvertretende GBR-Vorsitzende) und Hagen Reimer (Leiter IG Metall Siemens Team) gesprochen.

Im Gespräch: Tobias Bäumler, Steffi Lengfelder und Hagen Reimer. Foto: IG Metall

Siemens Dialog: Geht die Neuaufstellung zur ONE Tech Company grundsätzlich in die richtige Richtung?

Tobias: Ja, grundsätzlich schon. Eine stärkere Vernetzung, gemeinsame Daten und Prozesse können eine echte Chance sein. Damit könnten unsere Kolleg:innen neue Technologien besser einsetzen, um das zu tun, was sie am besten können und wofür sie brennen: die Probleme der Kunden lösen und passende Produkte und Lösungen für deren Industrien entwickeln. Sie wollen die Vision der ONE Tech Company endlich verstehen und ihre Rolle darin verstehen.

Und, haben die Beschäftigten jetzt mehr Orientierung?

Steffi: Vielen ist noch nicht klar, was die ONE Tech Company konkret für sie bedeutet. Diese fehlende Klarheit schafft Verunsicherung – vor allem mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz und die persönliche Zukunft. Aus der Neuaufstellung stellt sich auch die Frage, wie die Zusammenarbeit in den geplanten Strukturen gestaltet werden soll.

Was erwarten die Beschäftigten jetzt vor allem vom Unternehmen?

Hagen: Vor allem klare Antworten. Sie wollen wissen, dass die ONE Tech Company kein Abbauprogramm ist, sie wollen angstfrei ihre Arbeit erledigen können. Zweitens wollen sie wissen, wer für sie bei Siemens Verantwortung trägt. Und drittens wollen sie natürlich wissen, was das für ihre persönliche Entwicklung bedeutet.

Angstfrei arbeiten - bei der Evosoft GmbH, die abgewickelt werden soll, gerade undenkbar.

Hagen: Das stimmt. Hier sind die Beschäftigten geschockt und extrem verunsichert. Der Fall zeigt, wie sensibel solche Entscheidungen sind. Wer von Transformation spricht, muss auch zeigen, dass mit den Menschen fair und verantwortungsvoll umgegangen wird. Sonst geht Vertrauen verloren und nimmt der Transformation den Wind aus den Segeln.

Was braucht gute Transformation konkret?

Steffi: Gute Transformation braucht Orientierung, Beteiligung und Qualifizierung. Sie gelingt nur, wenn die Beschäftigten das Ziel und das Warum verstehen und auch für sich selbst gute Perspektiven sehen können.

Was muss jetzt als Nächstes passieren?

Tobias: Wir haben zugehört und auch in den Webcasts wahrgenommen, was unsere Kolleg:innen bewegt. Wir werden in unseren Beratungen die geplanten Strukturen kritisch hinterfragen. Wir fordern, dass die Bedürfnisse der Beschäftigten auch in der ONE Tech Company adäquat berücksichtigt werden. Wir fordern Investitionen in die Beschäftigten durch Qualifikation für die Arbeit von morgen. Mit unserem Transformationsfonds haben wir die Grundlage dafür geschaffen. Und es muss sichergestellt sein, dass die Schutzfunktion der Mitbestimmung trotz einer neuen globalen Struktur bestehen bleibt.

Ihr habt doch schon eine Transformationsvereinbarung abgeschlossen – welche Rolle spielt die dabei?

Steffi: Unsere Transformationsvereinbarung ist entscheidender denn je. Sie beschreibt nämlich, dass Transformation nur dann gelingt, wenn sie nicht nur als struktureller oder technologischer Prozess verstanden wird, sondern vor allem als gemeinsamer Weg mit den Menschen. Das ist für uns: ONE Tech Company – aber mit allen!

Quelle: www.dialog-igmetall.de

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