Angleichung der Arbeitszeit in Ostdeutschland

Gespräche in schwierigem Fahrwasser!

23.05.2019 | Mehr als vier Stunden dauerte das 4. Gespräch zur Angleichung der Arbeitszeit in Ostdeutschland am 21. Mai in Berlin. Draußen Gewitterstimmung, in den Verhandlungsräumen herrschte eisige Kälte bis das Gespräch begann. Eine Bewegung der Arbeitgeber war zu Beginn nicht zu erkennen. Anstatt eines ersten Schrittes in unsere Richtung gab es die alt bekannten Vorträge zur wirtschaftlichen Situation von den Arbeitgebern.

4. Gespräch zur Angleichung der Arbeitszeit in Ostdeutschland am 21. Mai in Berlin - Fotos: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Nachdem unsere Gesprächskommission sehr klar machte, dass es so nicht weitergehen könne, wurde in einer kleinen Runde weiterverhandelt. Dort gab es dann am späten Abend konstruktivere Töne.  

Kritische Situation

Nach der Verhandlung war die klare Meinung der Gesprächs- und Hintergrundkommission, dass sich die Gespräche in einer kritischen Situation befinden. Knackpunkt bleibt weiterhin die Vorstellung der Arbeitgeber, die Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung auf die Betriebsebene zu verlagern – ohne Beteiligung der IG Metall. Statt auf die weitreichenden Kompromissvorschläge der IG Metall einzugehen, haben die Arbeitgeber am 3. Mai einen eigenen Entwurf vorgelegt, der den Namen „Future“ nicht verdient, sondern nur alter Wein in neuen Schläuchen ist.

Wir fordern eine tarifliche Regelung

Wir bleiben dabei: Wir fordern eine verbindliche tarifliche Regelung zur Einführung der 35-Stundenwoche, die bei den Beschäftigten ankommt. Dafür braucht es einen Tarifvertrag mit klar definierten Zeiträumen zur Absenkung der Arbeitszeit. Der Einführungskorridor bis 2030 ist nur unter der Voraussetzung einer belastbaren tariflich abgesicherten Regelung vorstellbar. Beim nächsten Termin am 11. Juni in Schwerin müssen sich die Arbeitgeber deutlich bewegen.
Eure zahlreichen Aktivitäten in den Aktionswochen haben der Gesprächskommission den Rücken gestärkt. Herzlichen Dank an alle! Alles zählt und wird von der Arbeitgeberseite wahrgenommen. Bitte macht mit beim gemeinsamen Aktionstag am 19. Juni in ganz Ostdeutschland.

Kommentar von Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Verhalten der Metall-Arbeitgeber in den Verhandlungen zur Einführung der 35-Stundenwoche steht im krassen Gegensatz zu ihrer Aussage, im ersten Halbjahr 2019 ein Ergebnis zur Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung mit der IG Metall erreichen zu wollen.

Die Signale der Belegschaften in der Aktionswoche und der gemeinsamen Tarifkommissionen aller ostdeutschen Tarifbezirke waren dagegen sehr eindeutig: Arbeitgeber bewegt Euch endlich!

Wir haben sowohl in der Frage einer langen Laufzeit als auch mit dem Modell unterschiedlicher Geschwindigkeiten und einer flexiblen betrieblichen Umsetzung viel Beweglichkeit gezeigt.

In der nächsten Verhandlung in Schwerin müssen die Arbeitgeber Farbe bekennen, ob sie auf die IG Metall zugehen wollen oder ob am Ende nur altbekannte Verweigerung bleibt.

Stimmen aus der Gesprächskommission:

Jens Rothe, Volkswagen Sachsen Zwickau, Carmen Bahlo, ZF Getriebe Brandenburg, Jens Köhler, BMW Werk Leipzig:

„Unsere Belegschaften wollen endlich konkrete Ergebnisse zur Arbeitszeitangleichung Ost sehen. 30 Jahre nach dem Mauerfall muss endlich Schluss sein mit der Hinhaltetaktik der Arbeitgeber. Deshalb werden die Tarifgespräche von unseren Belegschaften auch sehr kritisch verfolgt. Wenn es nicht bald konkrete Fortschritte bei den Gesprächen gibt, muss die Arbeitszeitverkürzung im Rahmen unserer Ergänzungstarifgemeinschaft vorangebracht werden.“

Quelle: IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen

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