Steinmeier in Leipzig

Hoher Besuch bei BMW: Auzubildende treffen den Bundespräsidenten

18.04.2018 | Die duale Ausbildung wird von vielen Jugendlichen und Eltern verschmäht. Jede vierte Ausbildung wurde 2016 abgebrochen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender sind in der "Woche der beruflichen Bildung" auf Tour, um die gute alte Ausbildung aufzuwerten. Am Mittwoch besuchten sie die Ausbildungswerkstatt im Leipziger BMW-Werk.

Bundespräsident Steinmeier und DGB-Vize Elke Hannack (3. v.l.) sprachen am 18. April mit zwölf JAVis über Mitbestimmung in der Ausbildung. Foto: IG Metall Leipzig

Hochkonzentrierte Gesichter am Schraubstock. Die jungen Männer und Frauen in BMW-Blaumann sehen nicht mal auf, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender die Ausbildungswerkstatt des BMW-Werks in Leipzig betreten. Seelenruhig feilen die Auszubildenden weiter die Kanten an dem festgeklemmten Stück Metall vor sich. Der Bundespräsident und die „First Lady“ drehen ihre Runde, schütteln Hände stellen Fragen, die man hinter der Absperrung für die Medien nicht hören kann und hören zu. Genau dafür waren sie da, zum Zuhören. Gemeinsam haben sie die Schirmherrschaft der „Woche der beruflichen Bildung” übernommen und besuchen Schulen, ausbildende Betriebe, Kammern und andere Institutionen der beruflichen Bildung in unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Unter dem Motto „Du bildest Zukunft“ wollen Arbeitgeberverbände, die Kultusministerkonferenz der Länder und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Werbung machen für die traditionelle Ausbildung in Deutschland. Die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack begleitet das Bundespräsidentenpaar beim Werksbesuch in Leipzig.

Neben der Situation von weiblichen BMW-Auszubildenden stand das Thema Mitbestimmung in der Ausbildung im Zentrum des Besuchs. Zwölf Vertreterinnen und Vertreter der Jugend- und Auszubildenenvertretungen (JAV) unterschiedlicher Betriebe aus dem Bereich der IG Metall empfingen Frank-Walter Steinmeier zum Gespräch.

Gleich zu Beginn erklärte Steinmeier, in seiner Familie sei er zwar der Erste gewesen, der an die Universität ging und dort Jura studierte. Aber mittlerweile sei eine Schieflage entstanden. „Karriere und gesellschaftlicher Aufstieg wird in Deutschland oft mit dem Studium verbunden.“ Ihm sei wichtig, dass die Ausbildung wieder mehr Anerkennung bekommt. Dazu könnte diejenigen, die jetzt in Ausbildung sind, einen Teil beitragen, weil sie die Herausforderungen der Ausbildung kennen.

Dass es Probleme gibt, die außerhalb des Machtbereichs der Belegschaft liegen, machte gleich zu Beginn Marcel Bölke klar. Als er seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Siemens Compressor Systems GmbH in Leipzig begonnen hatte, habe er gedacht: “Das ist ein großer Konzern, da ist meine Zukunft gesichert.” Heute vier Jahre später, ist sich der stellvertretende Vorsitzende der dreiköpfigen JAV nicht mehr so sicher. Die Schliessung des Werks durch den Siemens-Konzern droht. Mit dem Betriebsrat kämpft er trotzdem dafür, die Ausbildung weiter zu verbessern, einen verbindlichen Durchlaufplan zu etablieren und im Fall der Schliessung das Beste für die Azubis rauszuholen. „Aber Sie haben doch keine Zukunftssorgen – mit ihrem Job? ”, fragt Steinmeier und Marcel Bölke stimmt zu. Der sächsische Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), neben ihm schweigt. Die Schließungspläne der Siemens AG im Bereich Power & Gas an den Standorten in Leipzig und Görlitz nannte er bereits im November unverantwortlich. 

Ein Problem, dass offenbar viele Ausbildungsberufe der Branche betrifft, spricht Kristina Japs an. Sie lernt Kauffrau für Büromanagement bei der Stern Auto GmbH in Leipzig und organisiert als stellvertretende Vorsitzende der JAV den “innerbetrieblichen Unterricht”. Aufgrund von Unterrichtsausfalls an den Berufsschulen würden Prüfungsinhalte sonst nicht mehr vermittelt werden können. “Berufsschule, das ist eine große Baustelle im ganzen Land“, sagt Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzende bei BMW Leipzig. “Es wird immer so getan als wäre an den Berufsschulen alles in Ordnung”, so Steinmeier, das müsse anders werden. Dulig pflichtet ihm bei, in Sachsen gäbe es nicht mal eine Berufsschulnetzplanung, obwohl das Land seit Jahren wegen Lehrermangel unter Druck stehe. Ein Seitenhieb auf das zuständige Kultusministerium.

Weitere Themen, die die jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ansprechen, sind die mangelhafte technische Ausstattung der Schulen, Weiterbildungsmöglichkeiten für die sie sich einsetzen und die Forderung nach einer Ausbilderquote in den Betrieben, Konkret: Mehr Ausbilder sollen den Azubis zur Seiten stehen.

Die Runde ist schnell zu Ende. Steinmeier und Büdenbender werden zum Abschlussstatement erwartet. Dulig betont er wolle im Gespräch bleiben, Runden wie diese soll es auch in Zukunft mit dem Wirtschafts- und Arbeitsminister geben. Dankbar zeigt er sich gegenüber denjenigen, die sich in der JAV engagieren, dass sei eine  “Besonderheit” und ein guter Schritt Richtung  “mehr miteinander” nicht nur im Betrieb sondern auch in der Gesellschaft. Die hohe Zahl der Ausbildungsabbrecher habe "vielleicht auch mit der Ausbildungsvergütung zu tun“, sagt Büdenbender.

Dann ist der Besuch vorbei, die Staatskarossen rollen davon. Steffen Reißig von der IG Metall Leipzig, die den Besuch mit organisiert hatte, freut sich über einen „gelungenen Tag“. „Ich denke der Bundespräsident und seine Frau haben einen guten Eindruck davon bekommen, was für eine gute Arbeit unsere JAVis hier ehrenamtlich machen“, sagt er. Es gebe aber auch Herausforderungen für Auszubildende und Berufseinsteiger, bei denen die Politik gefordert sei. „Auf das Gesprächsangebot vom sächsischen Arbeitsminister Dulig kommen wir also gerne zurück.“ Von Jennifer Stange

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