Trotz wichtiger Märkte und erfahrenem Team:

Nokia-Management gibt Standorte Berlin, Hamburg und Leipzig auf

15.07.2020 | Die Beschäftigten von Nokia Nordost verkaufen Sicherheitstechnik für die Digitalisierung der Zukunft und beraten Ministerien und DAX-Konzerne in sicherheitsrelevanter Kommunikationstechnik. Trotzdem meint das Nokia-Management, auf seine Standorte in den drei größten deutschen Städten Hamburg, Berlin und Leipzig verzichten zu können.

Nokia-Standort im Leipziger Nordosten

Je nach dem, wer gerade die Aktienmehrheit hatte, hießen sie schon mal Siemens, Nokia Siemens Networks, Alcatel-Lucent oder Nokia. Ein Großteil der Beschäftigten hat über Jahrzehnte Industrie- und Regierungskunden in Fragen zu IT und Telekommunikationsnetzen beraten, einige haben ihr ganzes Berufsleben im Unternehmen verbracht.

Die Mannschaft der Nokia Sales and Service GmbH, Region Nordost, kennt dementsprechend das gesamte Spektrum der Kommunikationstechnik: von der einfachen Telefonleitung über das Glasfasernetz für Industrie 4.0 bis hin zum 5G-Netz.

Man sollte meinen, es wäre ein Schatz, wenn man mit solchen Beschäftigten sein Geschäft  am Markt platzieren kann – noch dazu auf so wichtigen Märkten wie Berlin und Hamburg, den beiden größten deutschen Städten, oder Leipzig als zentralem Wirtschaftsstandort im aufstrebenden Teil Ostdeutschlands. In der Digitalisierung des Alltags geht es darum, sichere Netze aufzubauen, die nicht nur den Geheimhaltungsbedürfnissen von Ministerien und international agierenden Unternehmen dienen. Es geht auch darum, die in Zukunft alltägliche Kommunikation zwischen Millionen vernetzten Fahrzeugen, intelligenten Kühlschränken und virtuellen Assistenten sicherzustellen. Dies kann nur mit erfahrenen und zuverlässigen Expertinnen und Experten gelingen.

Nokia verliert Wettbewerbsvorteil

Das sieht das Nokia-Management anscheinend anders. Es hat nun verkündet, Nokia-Nordost zu schließen und den Großteil der rund 100 Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. „Aus unternehmerischer Sicht macht das wenig Sinn“, sagt Sven Burat, der Betriebsratsvorsitzende. „In Berlin fragen Unternehmen und die Ministerien, in und um Hamburg und Leipzig diverse große Unternehmen unsere Dienstleistungen nach.“ Nokia verlöre damit, so Sven Burat weiter, einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber den beiden großen Weltmarktkonkurrenten Ericsson und Huawei.

Daher denken die Betriebsräte, dass es dem Management schlicht darum geht, Kosten einzusparen, indem es die jetzige gut verdienende und erfahrene Belegschaft vor die Tür setzt und perspektivisch gegen eine jüngere und günstigere Mannschaft austauscht oder die Arbeit ins günstigere Ausland verlagert. „Dafür spricht, dass im  Management Entwicklungs- und Qualifizierungskonzepte diskutiert werden, mit denen vor allem junge Menschen gewonnen und an das Unternehmen gebunden werden sollen“, sagt Regina Katerndahl, die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, die auch Mitglied im Aufsichtsrat von Nokia ist.

Die Betriebsräte aller Regionen haben schon seit der Fusionierung der Kommunikationssparten von Nokia und Siemens 2012 mit gewerkschaftsnahen Unternehmensberatern Konzepte zur Sicherung des Geschäfts und der Arbeitsplätze in den Regionen vorgelegt. Aber die auf kurzfristigen Profit ausgelegte Unternehmensleitung hat diese Überlegungen nicht beachtet. Sie verantwortet mit ihrem Handeln die Schließung der Standorte und gefährdet damit auch die Zukunft der verbleibenden Beschäftigten.

Management beendet jahrzehntelang erfolgreicher Kommunikationstechnik in Berlin, Hamburg und Leipzig

Betriebsrat und IG Metall haben in den vergangenen Monaten viel getan, um die Schließung zu verhindern. Sie haben erneut Vorschläge zur Neuorientierung erarbeitet und gezeigt, wie die Mehrheit der Berschäftigten auch über Jahre gut ausgelastet sein kann. Nachdem Nokia die Schließung nun aber trotzdem umsetzen will, ging es in den letzten Wochen nur noch darum, den Beschäftigten einen möglichst guten Übergang in eine neue Zukunft zu organisieren. Aus den schon vorausgegangenen Restrukturierungen konnten die Betriebsräte auf einen Tarifvertrag aufbauen, den sie mit der IG Metall durchgesetzt haben. 

Dieser Tarifvertrag für die Vermittlung in gute Arbeit unterstützt Beschäftigte bei der Suche nach neuen Perspektiven außerhalb von Nokia. Wenn die Kolleginnen und Kollegen innerhalb von sechs Monaten einen neuen Arbeitsplatz finden, bekommen sie eine sozialverträgliche Abfindung und eine Gehaltsaufstockung für bis zu zwei Jahre. Zusätzlich zur Abfindung konnten IG Metall und Betriebsrat auch eine zweijährige Transfergesellschaft für Mitarbeiter*innen durchsetzen, die kurzfristig keinen neuen Job finden.

Für die Beschäftigten geht eine Ära jahrzehntelang erfolgreicher Kommunikationstechnik zu Ende, für einige wird es gar das ungewollte Ende der eigenen Erwerbsbiografie werden. Das Management kann sich ins Geschichtsbuch schreiben, dafür die Verantwortung zu tragen und diese Ära zu Grabe getragen zu haben.

 

Quelle: IG Metall Berlin, Jörn Breiholz

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