Das steckt hinter der Transformation

Einfach erklärt: Was bedeutet Transformation?

09.08.2023 | Der große Wandel hat längst begonnen. Während sich Industrie und Wirtschaft auf den Weg begeben klimaneutral, nachhaltiger und digitaler zu werden, kämpft die IG Metall dafür, dass sich diese Transformation sozial, ökologisch und demokratisch gestaltet.

Foto: iStock/kinwun

Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft werden in einigen Jahren ganz anders aussehen. Die Wartung von Maschinen erfolgt verstärkt über das Internet, Softwareprogramme und künstliche Intelligenzen beantworten E-Mails und Angebotsanfragen automatisch und treffen bei Jobausschreibungen die Auswahl, welche Bewerberinnen und Bewerber infrage kommen. Und dann gibt es noch neue Produkte, die neue Qualifikationen erfordern: Hochvoltspezialisten werden gesucht, Experten für Dieseleinspritztechnologien werden ihr Fachwissen eher in anderen Bereichen, wie in der Erstellung und Verarbeitung von Wasserstoff, einbringen können. Die Arbeitsplätze werden sich deutlich verändern, nicht nur in der Werkshalle und auf dem Shopfloor, auch bei der Montage oder im Büro. 

Ein umfassender Veränderungsprozess ist bereits im Gange. Der Grund: Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, die gesamte EU bis spätestens 2050. Der Klimawandel, aber auch die Digitalisierung und Globalisierung machen eine Transformation der Industrie notwendig, wenn Deutschland auch in Zukunft ein starkes Industrieland sein soll. Nur so können Wohlstand und gute Arbeitsplätze auch in einer klimaneutralen Wirtschaft erhalten bleiben. Dafür setzt sich die IG Metall ein.


Wandel betrifft gesamte Wirtschaft

Transformation, was ist das eigentlich? Der Blick ins Wörterbuch liefert Aufklärung. Transformation leitet sich vom lateinischen Wort „transformare“ ab, was so viel wie „umformen“ heißt. Der Begriff steht für einen grundlegenden Wandel, so die Definition. In der Praxis findet genau dieser „grundlegende Wandel“ in der Wirtschaft bereits statt. Digitalisierung und Automatisierung verändern seit Jahren die Arbeitswelt. Maschinen und Arbeitsabläufe werden immer mehr vernetzt, was der Begriff Industrie 4.0 bezeichnet, und nun halten auch noch künstliche Intelligenzen Einzug in die Betriebe. Von der Automobilindustrie über den Maschinenbau, die Stahlindustrie oder die Luftfahrtbranche bis hin zu den vielen Zuliefer- und Dienstleistungsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Handwerk, all diese Branchen stecken mitten in der Transformation, aber nicht nur in der digitalen Transformation.

Auch aus einem anderen Grund müssen sich ihre Produkte und Produktionsprozesse grundlegend ändern: Die gesamte Wirtschaft soll klimaneutral werden. Klimaneutral, das bedeutet nicht nur, dass Unternehmen neue Produkte wie Elektroautos entwickeln, sondern auch, dass die Produktionsprozesse ohne den Ausstoß von CO2 erfolgen müssen. Dafür muss zum Beispiel die deutsche Stahlindustrie bis 2045 all ihre Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen ersetzen und mit Wasserstoff, statt Kokskohle produzieren. Das Beispiel Stahl zeigt: Technisch ist Klimaneutralität möglich, nur müssen Politik und Unternehmen mitspielen.  


Deshalb müssen wir die Transformation gestalten

Die Transformation darf nicht den freien Marktkräften überlassen werden – sie muss sozial, ökologisch und demokratisch gestaltet werden, mit den Beschäftigten gemeinsam. Sonst drohen massive gesellschaftliche Verwerfungen und Wohlstandsverluste. Der Umbau der Wirtschaft benötigt weitsichtige Planung und ein lenkendes Eingreifen, wie es der freie Markt alleine nicht bietet. Zum Beispiel sind große Investitionen in neue Produktionsprozesse, Produkte und Infrastruktur für eine klimaneutrale Wirtschaft von Nöten. Das geht von der Entwicklung neuer Produkte zum Beispiel für die Elektromobilität, über den Aufbau von Direktreduktionsanlagen für die Stahlindustrie und Wasserstoffpipelines – das Gas wird als Schlüssel zur Klimaneutralität für viele Industrieanwendungen gesehen – bis hin zum Ausbau der erneuerbaren Energien, ohne die die Energiewende, die für die Klimaneutralität notwendig ist, nicht gelingen kann. Hier sind also Unternehmen und die Politik gefragt. Verschlafen sie ihren Einsatz, gefährden sie die Zukunft der Industrie und damit viele Arbeitsplätze. Deshalb fordert die IG Metall die Betriebe auf, ihre Zukunftsinvestitionen zu leisten. Von der Politik erwartet die Gewerkschaft flankierend eine aktive Industrie- und Strukturpolitik. 


IG Metall erwirkt Unterstützung der Politik 

An einigen Stellen konnte die IG Metall auch schon Erfolge in Berlin erzielen. Zum Beispiel hat sie die Politik dazu bewogen, mit einem „Zukunftsfond Automobilindustrie“ die Unternehmen der Autoindustrie bei der Transformation zu unterstützen. Oder: Die Gewerkschaft hat die Politik dazu gebracht, deutlich ambitioniertere Pläne beim Aufbau von Elektrolysekapazitäten anzugehen – mit Elektrolyseanlagen wird Wasserstoff produziert. Oder: Die Politik hilft aktuell beim Aufbau der ersten Direktreduktionsanlagen, wofür Metallerinnen und Metaller lange gekämpft haben.

Doch es gibt noch viel zu tun: Denn es gilt, die klimaneutrale Industrie der Zukunft hier bei uns in Deutschland und Europa zu bauen und zukunftsfest aufzustellen. Wichtig für die IG Metall ist zudem: Soziale und ökologische Standards dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. 


So muss die Industriepolitik gestaltet werden

Eine aktive Industriepolitik braucht Planungssicherheit sowie kluge und verlässliche Regulierung. Sie braucht Förderinstrumente, die Standorte, Beschäftigung und gute Arbeit sichern und zukunftsfest weiterentwickeln, die an Kriterien sozial verantwortlicher und nachhaltiger Unternehmensführung orientiert sind, den ökologischen Umbau fördern und vollständige industrielle Wertschöpfungsketten in Deutschland beziehungsweise Europa zum Ziel haben. Sie braucht einen fairen wettbewerbspolitischen Rahmen, der der Politik nicht alle Instrumente der Steuerung und Abfederung aus der Hand schlägt.

Diese Form der aktiven Industriepolitik − unter Beteiligung von Gewerkschaften und Betriebsräten – fordert die IG Metall von der Bundesregierung, aber auch von der EU. 


Transformation braucht Mitbestimmung

Die Transformation wird nur ein fairer Wandel, wenn die Zukunft gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet wird und ihnen dabei soziale Sicherheit und Perspektiven vermittelt werden. Betriebsräte versuchen das in ihren Betrieben anzugehen. Sie entwickeln gemeinsam mit den Beschäftigten Ideen und Konzepte. Doch ihre Möglichkeiten sind beschränkt. Die bestehenden Mitbestimmungsrechte reichen nicht aus, um genügend mitentscheiden zu können. Das Betriebsverfassungsgesetz braucht daher eine Runderneuerung. Konkret benötigen die Betriebsräte einfach mehr Mitbestimmungsrechte bei der Beschäftigungs- und Standortsicherung und der Qualifizierung der Beschäftigten. Dafür tritt die IG Metall ein.


Qualifizierungsoffensive ist gefragt

Die Transformation trifft Branchen und Unternehmen zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichem Maß. Manche Arbeitsplätze werden ganz verschwinden, an anderer Stelle werden neue Geschäftsmodelle mit neuen Produkten sowie Produktionsprozessen entstehen – und mit ihnen neue Arbeitsplätze mit neuen Qualifikationsprofilen. Klar ist: Die Anforderungen an Berufe und Tätigkeiten verändern sich. Arbeitgeber und Staat stehen hier in der Verantwortung. Denn: Ohne qualifizierte Beschäftigte keine Innovation. Die Qualifizierung der Beschäftigten muss bereits in der Arbeit ansetzen und nicht erst bei drohender Arbeitslosigkeit. Berufliche Weiterbildung ist aber bislang zu selektiv und häufig nur reaktiv gewesen. Das will die IG Metall ändern. Die Gewerkschaft fordert eine Qualifizierungsoffensive in der Transformation für alle Beschäftigten.


Was kann ich selbst tun?

Für unsere Industrie werden jetzt die Weichen gestellt. Dabei gibt es zwei mögliche Richtungen. Entweder wir schaffen die digitale und ökologische Wende und bauen die Produkte der Zukunft oder wir fahren vor die Wand und verlieren Arbeitsplätze. Wir wollen, dass die Veränderungen fair ablaufen. Aus technologischem Fortschritt und ökologischem Wandel muss sozialer Fortschritt für alle werden. Es geht um sichere Beschäftigung und um die Zukunft der nächsten Generationen. Betriebsräte, Vertrauensleute, Gewerkschafterinnen sind in den Betrieben längst aktiv. Nun müssen Arbeitgeber und Politiker endlich liefern. Dafür müssen wir Druck aufbauen. Doch das schaffen wir nur gemeinsam. Gemeinsam sind wir stark und können so für sichere und gute Arbeit sorgen. Also werde ein Teil unserer Gemeinschaft. Werde Mitglied in Deutschlands größter Gewerkschaft. Werde Mitglied der IG Metall.

Quelle: www.igmetall.de

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